Gerhard Merz: SPD-Landtagsfraktion stellt Plan zur Bekämpfung des Fachkräftemangels in den Kitas vor

25.10.2018

Der sozial- und familienpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag, Gerhard Merz, hat heute in Wiesbaden den Plan seiner Fraktion zur Bekämpfung des Fachkräftemangels in den Kitas vorgestellt.

Merz sagte dazu am Donnerstag: „Wir müssen an mehreren Stellen ansetzen, an den Ausbildungsbedingungen, an den Ausbildungskapazitäten und an den Arbeitsbedingungen und Einkommensverhältnissen. Mit unserem Gesetzentwurf für mehr Qualität und Gebührenfreiheit in der frühen Bildung legen wir die Grundlage dafür, dass diese Maßnahmen auch greifen. Denn ohne eine grundlegende Änderung bei der Höhe und der Form der Landesförderung und ohne verbesserte Arbeitsbedingungen in den Kitas wäre alles zum Scheitern verurteilt.“

Wichtig sei es zunächst zur Kenntnis zu nehmen, dass viel zu viele Fachkräfte in andere, weniger anstrengende Tätigkeiten abwandern würden. „Ein hoher Anteil an ausgebildeten Fachkräften kommt erst gar nicht in den Kitas an. Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung beziffert diesen „Verlust“ auf mehr als ein Drittel. Weitere 20 Prozent verlassen die Kitas innerhalb von drei Jahren nach Beginn der Berufstätigkeit. Das hängt natürlich damit zusammen, dass die Arbeitsbedingungen mangelhaft sind und die Bezahlung nicht dem Niveau der Ausbildung entspricht. Wir müssen Erzieherinnen und Erziehern mehr Zeit geben für eine qualitätsorientierte Arbeit. Daher fordern wir einen Zuschlag für die Leitungstätigkeit, einen Zuschlag für die mittelbare pädagogische Arbeit wie zum Beispiel für Elterngespräche und Vor- und Nachbereitung und einen realistischen Zuschlag für Ausfallzeiten wie Urlaub, Krankheit und Fortbildung. Nur so können wir es schaffen, genügend Nachwuchs zu gewinnen und die ausgebildeten Kräfte im Beruf zu halten. Alles andere führt zum ewigen Kreislauf von schlechten Bedingungen und Fachkräftemangel“, stellte Merz fest.

Dennoch sei es nötig, auch die Ausbildungskapazitäten zu erhöhen. „Wir wollen die Zahl der Absolventinnen und Absolventen an den Fachschulen von circa 2.000 auf rund 3.000 erhöhen und die Zahl der Plätze an den einschlägigen Studiengängen der Hochschulen von derzeit 600 auf 1.200 verdoppeln“, berichtete der Sozialexperte.

„Viele junge Menschen, die sich für den Beruf interessieren, schreckt ab, dass sie im Gegensatz zu anderen Berufsausbildungen nicht mit einer Ausbildungsvergütung rechnen können. Zum Teil wird an privaten Fachschulen sogar noch ein Schulgeld fällig. Das Schulgeld müssen wir – auch an privaten Fachschulen – abschaffen. Und wir müssen mehr dazu übergehen, in die praxisintegrierte Ausbildung zu gehen, da es dabei dann auch eine Ausbildungsvergütung gibt. Verdi und die kommunalen Arbeitgeber haben hierzu einen Tarifvertrag abgeschlossen, was sehr zu begrüßen ist;“ erklärte Merz. Allerdings müsse bei dieser Variante sichergestellt sein, dass die Einrichtungen auch über die notwendige Zeit verfügen, um sich ausreichend um die Nachwuchskräfte zu kümmern. „Auch hier brauchen wir entsprechende Zuschläge in der Personalbemessung. Zum Nulltarif ist das nicht zu haben“, so Merz.

Merz verwies außerdem darauf, dass der Gesetzentwurf seiner Fraktion den Kommunen und freien Trägern deutlich mehr Spielraum durch eine deutlich höhere Landesförderung einräume. „Wir werden in Regierungsverantwortung dafür sorgen, dass in einem Stufenverfahren die Landesförderung bis auf 82,5 Prozent der Kosten des pädagogischen Personals anwächst. Damit schaffen wir mehr Qualität in der pädagogischen Arbeit. Das nutzt dem Personal, das gute Arbeitsbedingungen vorfindet, das nutzt den Eltern, die ihre Kinder gut betreut wissen und das nutzt den Kindern selbst, die damit gute Startchancen für ein selbstbestimmtes Leben erhalten“, stellte Merz abschließend fest.